Die Idee, eine „freie“ Schule in Penzberg zu gründen, …

…entstand bei der Schulgründerin Martina Schmid 2002 nach der Lektüre des Buches „Erziehung zum Sein“, in dem Rebeca und Mauricio Wild beschreiben, wie sie Reformpädagogik in einer freien Schule in Ecuador umsetzen. Ungefähr zur selben Zeit präsentierte sich auf dem Lernfest in Benediktbeuern die in diesem Jahr eröffnende Montessori-Schule Bad Tölz. Eine solche Schule wollte Martina gerne auch vor Ort haben. Sie fühlte dann als Erstes im örtlichen Montessori-Kindergarten vor, der bereits seit 1996 bestand. Der Rücklauf an Interessenten in der Elternschaft war ermutigend und so formierte sich ein Projektteam von sieben Eltern, die mit ihrem Vorhaben an die Öffentlichkeit gingen und als Gründungsmitglieder für den Förderverein Montessori-Schule Penzberg e. V. fungierten. Gemeinsame Antriebsfeder war der Wunsch, für die eigenen und viele andere Kinder einen Ort zu schaffen, wo diese ihren Möglichkeiten und ihrem eigenen Zeitplan entsprechend lernen und sich zu gesunden, stabilen Persönlichkeiten entwickeln können – jenseits von Druck, Stress und Angst. Dabei waren die Initiatoren nicht von Anfang an auf das Label „Montessori“ festgelegt, kamen jedoch schon bald in Kontakt mit dem Montessori-Landesverband Bayern, in dessen „Gemeinsamem Schulkonzept“ sie viele ihrer eigenen Vorstellungen formuliert sahen, so dass man sich diesem Verband gerne anschloss.

Schon bald musste an vielen Fronten gleichzeitig gearbeitet und gekämpft werden: Konzepterstellung, Öffentlichkeitsarbeit, Personalsuche, Raumsuche, Finanzierung, Verhandlungen mit der Regierung usw. Das Team hatte einige Rückschläge einzustecken, doch im Herbst 2004 war es schließlich so weit: Die Regierung von Oberbayern hatte die Betriebsgenehmigung innerhalb einer Rekordzeit von drei Monaten erteilt und man hatte Räume gefunden, die von den Behörden zumindest als Einstiegslösung akzeptiert wurden (die ehemalige Praxis von Frauenarzt Dr. Bendl am Alten Bahnhof 1, passend zum ersten Konzeptbaustein „Praxisbezug“). Die 24 angemeldeten Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren wurden von der erfahrenen Montessori-Grundschullehrerin Ingrid Auer und ihrem pädagogischen Assistenten Berthold Jäger, einem Doktor der Mineralogie, in einer jahrgangsgemischten Klasse unterrichtet.

Jahr für Jahr wurden in der Folge Räumlichkeiten und Kollegium aufgestockt. Seit der Genehmigung der Hauptschulstufe 2008 können die Schüler sogar bis zur M 10 – also bis zum mittleren Schulabschluss – am Standort Penzberg lernen und danach zum Beispiel an die MOS (Montessori-Fachoberschule) München wechseln, was seit 2010 möglich ist.

Im Jahr 2011 wurde der Antrag auf eine gebundene Ganztagsschule ab der 7. Jgst. gestellt und genehmigt. So haben die „Großen“ mehr Zeit zum Lernen und zur Prüfungsvorbereitung und können auch noch Projekte wie den Erdkinderplan umsetzen – hier in zwei von der Stadt Penzberg gepachteten Schrebergartenparzellen.

Spätestens 2011 war klar, dass die Räumlichkeiten am Alten Bahnhof dem wachsenden Schülerzustrom nicht mehr genügen würden. Es stellte sich die Frage nach einer Erweiterung des bestehenden Standortes. Nachdem die Kaufverhandlungen mit dem Vermieter jedoch gescheitert waren, blieb nur noch eine Option: ein Neubau. Dank des zupackenden Wesens und gewaltigen Engagements von Schülervater und Vorstandsmitglied Dominik Hammer konnte auch diese riesige Hürde genommen werden – am 12. September 2012 fand der erste Spatenstich statt und am 12. September 2013, genau ein Jahr später, konnten die ca. 2.400 Quadratmeter unseres wunderschönen, in Holzständerbauweise errichteten eigenen Schulhauses von Schülern und Mitarbeitern tatsächlich mit Leben gefüllt werden.

Auch die ersten Abschlüsse wurden in dieser Zeit absolviert: 2012 wurden zum ersten Mal die Großen Arbeiten präsentiert und der erfolgreiche Hauptschulabschluss verliehen; 2013 war Quali-Premiere und 2014 fanden die ersten Prüfungen für den mittleren Schulabschluss statt. Eine hohe Bestehensquote und Ergebnisse an der Landkreisspitze belegen, dass das an unserer Schule umgesetzte Montessori-Konzept aufgeht. Noch wichtiger ist jedoch, dass unsere Schüler gestärkt, selbstbewusst und als rundum gesunde Persönlichkeiten unsere Schule verlassen und sich ihrem weiteren Berufs- und Lebensweg stellen.

Aktueller Status

Heute, im Vollausbau, umfasst die Montessori-Schule Penzberg acht Klassen mit insgesamt ca. 200 Schülern. Über 30 Mitarbeiter arbeiten an der Schule. Als staatlich genehmigte Ersatzschule richtet sie sich nach den Inhalten des bayerischen Lehrplans für die Grund- bzw. Mittelschule, ist jedoch nicht an die einzelnen Lernziele pro Jahrgangsstufe gebunden, so dass die Schüler die Zeit haben, sich auf die Länge des gesamten Bildungsganges gesehen die Inhalte in ihrem eigenen Tempo zu erarbeiten. Außerdem ist sie befugt, ihren Schülern mit erfolgreicher Präsentation der Großen Arbeiten und nach Besuch der 9. Jahrgangsstufe den erfolgreichen Hauptschulabschluss selbst zu attestieren. Qualifizierender Abschluss und mittlerer Schulabschluss der Mittelschule werden an der Partnerschule, der Bürgermeister-Prandl-Mittelschule, absolviert. Durch den Anschluss an die MOS München können die Schüler innerhalb von weiteren zwei bis drei Jahren auf dem Montessori-Weg bis zur Fachhochschulreife, der fachgebundenen Hochschulreife oder der allgemeinen Hochschulreife gelangen. Genauso steht ihnen der Weg an eine staatliche FOS offen.